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192 Seiten
Paperback
€ 13,80
ISBN 978-3-88190-549-7

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Pressemitteilung

Kleine Karlsruher Bibliothek
Band 4


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Lesung mit Ursula Cantieni
Sonntag 18. April 2010
um 11 Uhr
im PrinzMaxPalais
veranstaltet von der
Literarischen Gesellschaft


Hermine Villinger
Mit einem Nachwort von Jürgen Oppermann und Hansgeorg Schmidt-Bergmann

Die Rebächle
Ein Karlsruher Roman

Mama Grossis Sonntagnachmittage spielten eine Rolle in der Residenz. Wie schön war‘s, besonders an trüben Novembertagen, in diesem zwanglosen Künstlerheim. Denn hier war immer Sonne. Junge, heitere Mädchen ersetzten die dienenden Geister, kochten den Kaffee und liefen auch schnell zum Konditor, wenn‘s not tat und der Kuchen nicht reichte. Und obwohl Mama Grossi nicht halb so viele Tassen besaß, als Gäste zu ihr kamen, es kam kein Mensch zu kurz. So viel leichtes Leben ging von der schönen Frau aus, die wie der Inbegriff der Behaglichkeit auf ihrem altmodischen Kanapee thronte und ihren Gugelhupf in den Kaffee tunkte. Rings um sie her bequeme, abgeblasste Sessel. Auf dem Boden verschossene Teppiche. Auch die Beleuchtung ließ zu wünschen übrig. Und doch, wie schön! Alle Wände voll Jugendbilder der Künstlerin, Stahlstiche berühmter, längst dahingegangener Kollegen und Kolleginnen, Geschenke hoher Herrschaften in Gestalt prachtvoller Meißener Vasen und Figuren sowie schwere Silbersachen auf Etageren. Da und dort auf einer Kommode, auf einem Sockel feierliche Standuhren, die alle nicht gingen. Auf dem Schreibtisch unter einer Glasglocke das Jubiläumsgeschenk, das Mama Grossi von ihren Kollegen erhalten – ein goldener Lorbeerkranz, mit dem sie ihren Brautkranz, vergilbte Myrten, sinnig verflochten.

Mit der Figur der Mama Grossi hat Hermine Villinger in ihrem Roman „Die Rebächle“ nicht nur der Schauspielerin Amalie Haizinger ein literarisches Denkmal erstellt, sondern zugleich auch die gesellschaftlichen Grenzen dargestellt, die für viele Frauen ihrer Zeit unüberwindlich schienen. Damit hat der Roman Teil an einem Gesamtwerk, das heute als das Dokument einer Emanzipation zu lesen ist, die nur teilweise gelingen konnte.

Band 1: Albert Geiger Die versunkene Stadt
Band 2: Otto Müssle Von stillen Winkeln einer Stadt

Band 3: Albert Herzog Ihr glücklichen Augen