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Hermine Villinger
Mit einem Nachwort von Jürgen Oppermann und Hansgeorg
Schmidt-Bergmann
Die
Rebächle
Ein Karlsruher Roman
Mama
Grossis Sonntagnachmittage spielten eine Rolle in der Residenz. Wie schön
war‘s, besonders an trüben Novembertagen, in diesem zwanglosen
Künstlerheim. Denn hier war immer Sonne. Junge, heitere Mädchen
ersetzten die dienenden Geister, kochten den Kaffee und liefen auch schnell
zum Konditor, wenn‘s not tat und der Kuchen nicht reichte. Und obwohl
Mama Grossi nicht halb so viele Tassen besaß, als Gäste zu
ihr kamen, es kam kein Mensch zu kurz. So viel leichtes Leben ging von
der schönen Frau aus, die wie der Inbegriff der Behaglichkeit auf
ihrem altmodischen Kanapee thronte und ihren Gugelhupf in den Kaffee tunkte.
Rings um sie her bequeme, abgeblasste Sessel. Auf dem Boden verschossene
Teppiche. Auch die Beleuchtung ließ zu wünschen übrig.
Und doch, wie schön! Alle Wände voll Jugendbilder der Künstlerin,
Stahlstiche berühmter, längst dahingegangener Kollegen und Kolleginnen,
Geschenke hoher Herrschaften in Gestalt prachtvoller Meißener Vasen
und Figuren sowie schwere Silbersachen auf Etageren. Da und dort auf einer
Kommode, auf einem Sockel feierliche Standuhren, die alle nicht gingen.
Auf dem Schreibtisch unter einer Glasglocke das Jubiläumsgeschenk,
das Mama Grossi von ihren Kollegen erhalten – ein goldener Lorbeerkranz,
mit dem sie ihren Brautkranz, vergilbte Myrten, sinnig verflochten.
Mit
der Figur der Mama Grossi hat Hermine Villinger in ihrem Roman „Die
Rebächle“ nicht nur der Schauspielerin Amalie Haizinger ein
literarisches Denkmal erstellt, sondern zugleich auch die gesellschaftlichen
Grenzen dargestellt, die für viele Frauen ihrer Zeit unüberwindlich
schienen. Damit hat der Roman Teil an einem Gesamtwerk, das heute als
das Dokument einer Emanzipation zu lesen ist, die nur teilweise gelingen
konnte.
Band
1: Albert Geiger Die versunkene Stadt
Band 2: Otto Müssle Von stillen Winkeln
einer Stadt
Band 3: Albert Herzog
Ihr glücklichen Augen
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