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Badisches Landesmuseum Karlsruhe Die Abteilung „Ur- und Frühgeschichte in Baden“ führt den Besucher von den Anfängen der menschlichen Kulturgeschichte in unserem Raum bis ins Frühmittelalter. Schon 1837 beauftragte Großherzog den badischen Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl, Leopold Friedrich Maler mit dem Erwerb antiker Vasen und Terrakotten in Italien für eine Karlsruher Museumssammlung. Für die archäologischen Hinterlassenschaften Badens entstand jedoch erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. ein Interesse. Der Grundstein der Sammlung „Ur- und Frühgeschichte“ des Badischen Landesmuseums wurde im Jahr 1850 gelegt und geht zurück auf die Schenkung des Sinsheimer Stadtpfarrers Karl Wilhelmi, einer der Begründer der Altertumsforschung in Südwestdeutschland. Seither wurden archäologische Funde badischer Provenienz in der Sammlung „Vaterländischer Alterthümer“ gesammelt. Dr. Ernst Wagner, von 1875 bis 1919 „Großherzoglicher Conservator der Alterthümer und der mit ihnen vereinigten Sammlungen“ widmete sich besonders den archäologischen Funden des alten Landes Baden. Er ordnete und inventarisierte den Sammlungsbestand und erweiterte ihn beträchtlich. Seine akribisch gesammelten Erkenntnisse zu archäologischen Fundstätten und Funden Badens legte er 1908 und 1911 in zwei Monografien vor – bis heute unentbehrliche Quellen, will man sich mit den im 19. und Anfang des 20. Jh. gemachten archäologischen Funden in Südwestdeutschland auseinandersetzen. Wagner und viele seiner Nachfolger, waren bis in die sechziger Jahre des 20. Jh. nicht nur Konservatoren, sondern führten als „Denkmalpfleger“ zugleich auch Ausgrabungen und Feldforschungen in Baden durch. Die heimische Archäologie hatte es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Museen zunächst nicht leicht. Das Interesse der Verantwortlichen wandte sich – in wohlbegründeter Distanzierung zur vorherigen „Blut- und Boden-Ideologie“ – hauptsächlich Exponaten der Kunst mit ihrer im Sinn von André Malraux weltumspannenden, völkerverbindenden und überzeitlich gültigen „Musée imaginaire“-Bedeutung zu. So mancher Gegenstand aus prähistorischer Zeit fand seine Akzeptanz als „Kunstprodukt funktionaler Schönheit“ bzw. „ursprünglichen Schöpferwillens“. Dies galt jedoch kaum für die überwiegende Mehrzahl der Befunde und Funde aus dem archäologischen Alltag. Mit der Verwaltungsreform von 1972 fiel in Baden-Württemberg die Geländearbeit ausschließlich an das damalige Landesdenkmalamt, und die Ur- und Frühgeschichte am Badischen Landesmuseum beschränkte sich fortan auf den klassischen Kanon der Museumsarbeit: Inventarisierung, Restaurierung und Bewahrung, wissenschaftliche Betreuung und Präsentation der Funde aus den Regierungsbezirken Freiburg und Karlsruhe, wobei der Rhein-Neckar-Raum (Mannheim, Heidelberg) und Teile Südbadens ihre separaten Wege gingen. Das Jahr 1992 brachte abermals eine Veränderung: Neufunde der Landesarchäologie gehen seither in die Obhut des in diesem Jahr neu gegründeten Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg über. Die Besucher merken davon jedoch nur wenig, da unser Haus mit einem in über 150 Jahren gewachsenen Bestand an archäologischen Funden über reiches Anschauungsmaterial verfügt. Bestehende Lücken können dankenswerterweise durch Leihgaben – u.a. des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg – geschlossen werden. Die Abteilung „Ur- und Frühgeschichte“ erfreut sich großen Interesses vor allem durch die Einbeziehung in den schulischen Unterricht, der auf Themen wie das Paläolithikum, die „Neolithische Revolution“, „Kelten und Germanen“ und „Völkerwanderungszeit“ Bezug nimmt. Mit den Instrumenten der „experimentellen Archäologie“, wie z.B. einer nachgebauten Hütte und einer Anzahl von Werkzeugen zum Ausprobieren für den Besucher, können auch viele Einzelbesucher begeistert und Ferienaktionen für Kinder und Jugendliche attraktiv gestaltet werden. Die Ur- und Frühgeschichte als „Anfangsgeschichte der Menschheit“ vermag heute in vielen Aspekten die Menschen zu fesseln und für spektakuläre Sonderausstellungen zu gewinnen. Der Abteilungsführer „Ur- und Frühgeschichte“ ist ein langgehegtes Desiderat in unserem Haus. Gedankt sei den Autoren Dr. Clemens Lichter (Stein- und Metallzeiten) und Dr. Astrid Wenzel (Frühmittelalter). Kleinere Beiträge stammen aus der Feder von Fiona Finke M.A. und Dr. Peter-Hugo Martin. Herzlichen Dank gilt ferner allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Badischen Landesmuseums, die zur Dokumentation und Redaktion dieses Bandes beigetragen haben: Thomas Goldschmidt für das umfangreiche Bildmaterial, Petra Gerlach für die graphische Gestaltung der Chronologietabelle, Dr. Anna zu Stolberg und dem ehrenamtlich für unser Haus tätigen Dr. Lothar Zysk für Korrekturen. Die Karte im Umschlag hat Günther Müller in bewährter Weise erstellt. Ein weiteres
Wort des Dankes geht an zahlreiche Fachkollegen aus Museen, Universitäten
und der Bodendenkmalpflege, die weiteres Bildmaterial zur Verfügung
gestellt haben. Die entsprechenden Herkunftsnachweise finden sich im Bildnachweis. |
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