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Badisches Landesmuseum Karlsruhe Karlsruhe ist eine Neugründung der Markgrafen von BadenDurlach, die ab 1715 eine neue Residenz in der oberrheinischen Ebene anlegten und damit – nach dem Vorbild von Versailles – anderen barocken Fürsten folgten, die ihre alte Residenzen auf Anhöhen oder in beengten Städten verließen und sich mit Schlössern und Stadtgründungen, deren Grundrisse großzügig gestaltet wurden, im Flachland neu ansiedelten. Ein Residenzschloss ist ein komplexes Gebilde, das neben den funktionalen Aufgaben nach innen und außen eine erhebliche Rolle bei Repräsentation und Persuasion eines monarchischen Staatskörpers zu spielen hatte. Mancherorts hieß es, ein aufwändig und modern gebautes Schloss sei für ein Land wichtiger als eine gewonnene Schlacht. Freilich wollte sich der baden-durlachische Landesherr und Schlosserbauer Karl Wilhelm mit einem bescheidenen Schloss „für ein kleines Land“, so eine Inschrift, begnügen, einem Bau aus verputztem Fachwerk – wenn auch die Grundrisse des Baus und der umgebenden Gartenanlage von einem ehrgeizigen Anspruch zeugten. Dies gilt insbesondere für die höchst originelle Stadtanlage, die sich dem fürstlichen Gebäude anschloss. Zumal im Innern des Schlosses galt es, in Bild- und Möbelausstattung stets auf der Höhe der sich wandelnden „Angemessenheit“ und des Zeitgeschmacks zu sein. Nach den Epochen des absolutistischen Stadtgründers KarlWilhelm, der 1738 starb, und des aufgeklärten Absolutismus seines Enkels Karl Friedrich (Regierungszeit 1756 – 1811) behielten Karlsruhe und das Schloss auch im 19. Jahrhundert ihre zentralörtliche Bedeutung. Gingen die Ambitionen an der Seite Napoleons zunächst in Richtung Königreich und territorial bis Frankfurt und Teilen der Schweiz, so entstand 1806 mit dem Großherzogtum Baden wenigstens einer der deutschen Mittelstaaten, der die rechtsrheinische Kurpfalz, Teile Vorderösterreichs und zahlreiche Kleinstaaten zu integrieren vermochte. Weniger gelang dies mit dem sich emanzipierenden Bürgertum: Baden wurde eines der Zentren der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/1849. In der Ausstellung rangiert sinnfällig im zentralen ehemaligen Festsaal des Schlosses („Marmorsaal“) der badische Revolutionsheld Friedrich Hecker in der Etage oberhalb von Thron, Kroninsignien und der Galerie der badischen Fürsten von 1715 bis 1918. Nach der gescheiterten Revolution mobilisierten die „Ehrengeschenke“, die zu Jubiläums- und Geburtstagsanlässen gemacht wurden, die „Liebe des Volkes“ zu seinem seit 1856 regierenden Herrscherpaar, Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise. Die repräsentative Großbronze „Zeitgeist und Staatsschiff“, die die badischen Städte und Gemeinden 1896 zum 70. Geburtstag des Großherzogs beim führenden badischen Bildhauer Hermann Volz in Auftrag gaben, verkörperte am treffendsten und repräsentativsten das damalige badische Selbstverständnis als ein „Musterländle“. Seit 1919 hat das Badische Landesmuseum seinen Stammsitz im ehemaligen Karlsruher Residenzschloss. Hier stellte man die „Sammlungen vaterländischer Alterthümer“ (soweit sie nicht im „Sammlungsgebäude“ am Friedrichsplatz verblieben) und die Bestände des aufgelösten ehemaligen Kunstgewerbemuseums vereinigt aus und integrierte sie dabei in die historische Ausstattung der Schlossräume. Am 27. September 1944 brannte das Schloss nieder. Was außer den Außenmauern noch an Innenwänden und Dekor beschädigt erhalten geblieben war, riss man nach 1945 ab und schuf für die Ausstellungen des Badischen Landesmuseums modern-funktionale Raumhüllen. Umso mehr ist es eine vorrangige Aufgabe für uns, mit heutigen museal-didaktischen Mitteln die Geschichte des Schlosses, seiner Einrichtung, seiner Bewohner und der Verbindung zur Stadt zu referieren. Die
Abteilung „Schloss und Hof Karlsruhe“, 1998 eröffnet
und seitdem verschiedentlich ergänzt und verändert, wurde seinerzeit
von Frau Dr. Rosemarie Stratmann-Döhler und Frau Dr. Claudia Kanowski
erarbeitet. Deren Texte wurden von der heutigen Betreuerin der Abteilung,
Frau Dr. Jutta Dresch, aufgegriffen und vielfach erweitert. Allen Beteiligten,
zu denen auch Fotograf und Verlag gehören, sei herzlich gedankt. |
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