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Badisches Landesmuseum Karlsruhe Das römische Weltreich muss man als einen geschichtlichen und kulturellen Raum begreifen, der ein riesiges Gebiet rings um das ganze Mittelmeer herum erfasste. Wir sollten uns stärker bewusst machen, dass dieser Raum wesentlich länger einen zusammengehörigen Kulturraum als eine in die Kontinente Europa, Asien und Afrika zergliederte Erscheinung bildete: Er war einst ein Weltreich, das einheitliche Regeln für Staat und Administration kannte, aber in Kultur, Religion und Gesellschaft vielfältige Ausprägungen zuließ, ja auf die Assimilation der Unterschiede geradezu angewiesen war. So hat man schon zu Recht die Frage gestellt (Géza Alföldi), ob das „antike Rom“ nicht als „Vorbild für das vereinte Europa“ gelten könne. Die Überlegung müsste man freilich um die Idee ergänzen, dass dann auch die nordafrikanischen und die vorderasiatischen Mittelmeergebiete ausdrücklich in dieses Identifikationsmodell einbezogen werden müssten. Obwohl bestimmte Strukturen von Militär und Verwaltung im ganzen Römischen Reich galten und ein Limes bekanntlich das gesamte Herrschaftsgebiet Roms von England bis Nordafrika durchmaß und sich nicht nur in Obergermanien und Raetien erstreckte, ist es lohnend, gerade kulturell, sich auch mit regionalen Unterschieden und der spezifischen Ausprägung der römerzeitlichen Geschichtsepoche zu beschäftigen und diese darzustellen. Dazu dienen die Abteilung „Römer am Oberrhein“ und der zugehörige Abteilungsführer. Das römische Leben diesseits des Limes war nicht nur militärisch geprägt, sondern auch von einer Landnahme, die polyethnische Völkervermischungen mit sich brachte. Mit den Truppen gelangten Angehörige von Völkern des ganzen Reiches auch in die oberrheinische Region. Neue religiöse Kulte wie der der ägyptischen Isis, des als „Sol invictus“ angesprochenen persischen Mithras und des frühen Christentums verbreiteten sich überall. Neue Formen der Wirtschaftsordnung, des Handels wie des Warenverkehrs und der Siedlungsweise gelangten auch in die Region am Oberrhein. Mit Städten wie Straßburg/Argentorate, Ladenburg/Lopodunum oder Augst/Augusta Raurica, mit Bädern, aus denen die heutigen Orte Badenweiler und Baden-Baden/Aquae hervorgingen, Handelszentren, Dörfern, Villen – urbanen ebenso wie villae rusticae – und Straßenherbergen entstand ein sozial und kulturell differenziertes Besiedlungsmodell, das in mancher Hinsicht von großer geschichtlicher Folgewirkung war. Gegenüber
anderen Museen, etwa den Limes-Spezialmuseen in Osterburken oder Aalen
bzw. gar dem vor über 100 Jahren rekonstruierten Kastell der Saalburg
im Taunus, zeigt das Badische Landesmuseum nur kursorisch das Militärsystem
und das Soldatenleben am Limes, der 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe deklariert
wurde. Die Schwerpunkte der hiesigen Römerabteilung liegen auf dem
Leben der Bevölkerung, wie es sich in den antiken Siedlungen zwischen
Rhein und Limes vor annähernd 2.000 Jahren abgespielt haben mag.
Man trifft daher auf handwerkliche Produktionsstätten, Straßen
samt ihren Meilensteinen, Alltags- und Wohnsituationen – das Leben
in den Villen wird durch den im Original translozierten sog. Wössinger
Römerkeller repräsentiert – und schließlich die
Religion und ihre Götter, insbesondere den Mithraskult. Die Abteilung „Römer am Oberrhein“ wurde 2005 von Dr. Katarina Horst und Anna Krüger M.A., geb. Hofmann, die für die fachliche Konzeption verantwortlich zeichneten, zusammen mit dem Gestalter Hans R. Woodtli (†), Zürich, eingerichtet. Die Texte des Führers verfassten Frau Dr. Katarina Horst, Frau Anna Krüger M.A., geb. Hofmann, und Frau Susanne Erbelding M.A., die auch die Redaktion besorgte. Ihnen sowie den weiteren AutorInnen und Beteiligten, insbesondere Frau Dr. Gabriele Seitz für die Durchsicht des Manuskripts, sei herzlich gedankt.
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