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Badisches Landesmuseum Karlsruhe Dem 16. und 17. Jahrhundert haben wir als Ausstellungseinheit den griffigeren Haupttitel „Von der Reformation bis zu den Erbfolgekriegen“ gegeben. Diese ereignisgeschichtliche Benennung könnte auch durch den historischen Epochenbegriff „Frühe Neuzeit“ oder die kunsthistorischen Stilbezeichnungen „Renaissance“ und „Barock“ ersetzt werden. So ereignisreich freilich die beiden Jahrhunderte waren, muss man historischstrukturiert etwa durch die Verfasstheit des Deutschen Reiches – und vor allem kultur- und alltagsgeschichtlich doch in Vielem von einer „longue durée“ ausgehen, lang dauernde Verhältnisse, die aus dem Mittelalter in unsere Zeitepoche hinein weiterleben und, z.B. in Wirtschaft und Gesellschaft, auch ins 19. Jahrhundert fortwirken. Unsere Sammlung aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist so zusammengesetzt, dass wir hier – wie oft im Haus – überregionale Phänomene und Strömungen mit der regionalen südwestdeutschen Geschichte und Kultur in Verbindung setzen können. Der dieser Abteilung gewidmete Ausstellungssaal ist – aufgrund der räumlichen Gegebenheiten – von zwei Seiten her erschlossen: von der einen Seite her erfolgt der Zugang von der spätmittelalterlichen Frömmigkeit zu Bildersturm, Renaissance und Reformation. Auf der anderen Seite schließt sich an die großherzogliche Herrschergeschichte Badens die der vorangegangenen Markgrafenzeit seit dem ausgehenden Mittelalter an, genauer, der beiden markgräflich badischen Linien, die sich damals in die baden-badische Linie – mit der Residenz im „Neuen Schloss“ in Baden-Baden und später Rastatt – und in die baden-durlachische Linie geteilt hatten. Viele der Ereignisse,
die diese Epoche prägten, seien es die Kriege, von denen allein der
Dreißigjährige ein Viertel der Menschheit in Mitteleuropa ums
Leben gebracht hat, seien es die Religionsstreitigkeiten, seien es die
Ängste vor der latent nahezu stetig drohenden Expansionsgefahr des
Osmanischen Reiches bewirkten Not und Leid. Dies kommt auch darin zum
Ausdruck als am Anfang und am Ende der Präsentation Zeugnisse
der Zerstörung stehen: die beschädigten Heiligenfiguren aus
dem „Bildersturm“ einerseits, andererseits die Schrecknisse
und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges und der Erbfolgekriege,
eingebunden in Bilddarstellungen des „Vanitas“-Gedankens und
der Allegorie des Todes. Der Bildhauer Leonhard Kern hat den Nöten
seiner Zeit, gerade in der Schlussphase des Dreißigjährigen
Krieges, der Beunruhigung der Menschen und ihren Ängsten wohl den
sprechendsten Ausdruck, wenn auch durch die Einkleidung in biblische oder
mythologische Szenen vermittelt, gegeben. Das 16. Jahrhundert darf als ein Jahrhundert der Natur- und Humanwissenschaften gelten, wie es das zeitgenössische „Dialog“-Kunstwerk in dieser Abteilung, eine digital gedruckte „Tapisserie“ von Margret Eicher symbolisch verdichtet und aktualisierend verfremdet. Ausdruck der Zusammenschau der Wissenschaften und Künste in jener Epoche ist die „Kunst- und Wunderkammer“ mit ihrer Einheit von „artificalia“, „scientifica“ und „naturalia“; deren „badisches“ Exemplar, von dem wir erst 1995 größere Teile für die Öffentlichkeit dem Badischen Landesmuseum sichern konnten, ist freilich an einem anderen Platz in unserem Haus ausgestellt. Mit den „Kunst- und Wunderkammern“ beginnt auch die Geschichte höfischer Repräsentation und Persuasion, die in Renaissance und Barock zunehmend die Kunst als „Hofkunst“ prägte. Die Einrichtung
der Abteilung und die Abfassung des zugehörigen Führers
lag in den Händen von Dr. Reinhard W. Sänger, unterstützt
von Oya Dobruca-Kral M.A. und lic.phil. Christina Snopko. Das Ausstellungsdesign
war die letzte Aufgabe, die der international ausgewiesene Gestalter Hans
R. Woodtli aus Zürich vor seinem Tod 2008 und sein Team für
das Badische Landesmuseum übernommen hatten. Allen Beteiligten einschließlich
Fotograf, Gestalter und Verlag sei herzlich für ihre Arbeit gedankt. |
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