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Die
neue allmende – Zeitschrift für Literatur
allmende 83
Zeitschrift für Literatur
60
Jahre ist die Bundesrepublik im Mai geworden, die allmende steht bald
im 30. Jahr?, vor 20 Jahren ist die Mauer gefallen und Deutschland seitdem
größer und schöner. 60 Jahre deutsche Literatur, angefangen
inmitten der Trümmer, der moralischen Verwüstung und dem Zweifel
an einer Kultur, die den Genozid an den jüdischen Mitbürgern
nicht zu verhindern half. Die Literaturgeschichte der Bundesrepublik lässt
sich gliedern nach den großen politischen Ereignissen, dem Aufstand
gegen die Diktatur in der DDR, dem Mauerbau, dem „Kalten Krieg“,
dem Protest der Studenten und dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten
in die Tschechoslowakei 1968 – und so weiter.
Die deutschsprachige Literatur der Bundesrepublik ist spannend und hat
entscheidende Wegmarken, wie beispielsweise das Jahr 1959. Vor 50 Jahren
erschienen in einem Jahr Heinrich Bölls Billard um halb zehn, Die
Blechtrommel von Günter Grass sowie Uwe Johnsons Mutmaßungen
über Jakob; 1979 Die Fälschung von Nicolas Born, Das Treffen
in Telgte von Günter Grass und Peter Handkes Langsame Heimkehr –
und 2009? Dilek Güngör hat ein Singspiel geschrieben, Artur
Becker den Gedichtband Ein Kiosk mit elf Millionen Nächten veröffentlicht,
im Herbst erscheinen Hinterland, der neue Roman von Feridun Zaimoglu und
der erste Roman von Jun Lin mit dem Titel Mein deutscher Geliebter.
Die „neue deutsche“ Literatur ist weltläufiger geworden,
wie ihre Autorinnen und Autoren, sie bewegt sich nicht nur in den europäischen
Metropolen, sie ist jünger, weiblicher und kulturell mehrstimmig
geprägt. Das soll auch die vorliegende Nummer mit Beiträgen
der genannten Autoren dokumentieren, ergänzt mit Texten von Jagoda
Mariniç´ und Sudabeh Mohafez. Die „neue deutsche“
Literatur braucht keine Etiketten, keine Schubladen, sie ist seit mehreren
Jahren ein selbstverständlicher Teil unserer Literatur, mögen
auch die Namen einiger Autoren den deutschen Ohren noch fremd klingen
– das ist in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch
nicht anders. Diese Vielstimmigkeit zeigt sich auch in den übrigen
hier abgedruckten Texten sowie in den Rezensionen und den Informationen
der „kurzform“.
Ein Fundstück ist Gotthold Friedrich Stäudlins Text Empfindungen
bei der Nachricht von Robespierre’s Fall und Tode aus dem Jahr 1795,
der hier erstmals wieder abgedruckt ist und ein wichtiges „oberrheinisches
Zeugnis“ der politischen Auseinandersetzung mit der Französischen
Revolution darstellt. Die nächste Nummer der allmende wird Anfang
November erscheinen, im Zentrum wird die Bodensee-Region stehen.
Mit
Beiträgen von: Artur
Becker · Jutta Bergengruen · Dilek Güngör ·
Susanne Franz
Jasmin Hambsch · Liselotte Homering · Jun Lin · Birgit
Jennerjahn-Hakenes
Björn Kern · Anton Philipp Knittel · Monika Koncz ·
Franz Littmann · Jagoda Mariniç´ Sudabeh Mohafez ·
Thomas Nierlin · Winfried Georg Sebald · Gotthold Friedrich
Stäudlin · Thomas Weiß · Feridun Zaimoglu
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag.
Hansgeorg Schmidt-Bergmann im Auftrag der Literarischen Gesellschaft,
Karlsruhe
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